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Bericht von Renate Ried, Medienchefin STV 22. April 2010
Birmingham: Sowohl Nationaltrainer Bernhard Fluck wie auch Frédéric Forler sind zufrieden mit dem Podiumstraining vom Mittwoch.

«Die Turner haben gut geturnt, nicht so gut, wie ich erwartet habe. Doch als Trainer denke ich anders. Mein Trainerherz will immer ein perfektes Podiumstraining. Doch es ist mir bewusst, dass immer mit Patzern zu rechnen ist», so der Perfektionist Bernhard Fluck. Für die Turner geht es im Podiumstraining vor allem auch darum, die Atmosphäre und die Geräte zu spüren. Wie hart ist das Sprungbrett, wie elastisch die Reckstange, wie «fedrig» der Boden? Äussere Umstände, die relevant sind um eine Übung perfekt turnen zu können. Schliesslich geht es darum zu spüren wie der Krafteinsatz zu dosieren ist. Der Boden in Birmingham zum Beispiel spickt enorm: Cool zwar – aber wie ein Trampolin, was perfekte Landungen nicht einfacher macht. Frédéric Forler bestätigt, dass die Turner kein perfektes, aber ein Training mit einer guten Dynamik, konzentriert und top motiviert gezeigt haben. Nun gilt es diese Motivation und Dynamik bis am Freitag zu behalten und die kleinen Fehler (v.a. Landungen) zu korrigieren.

Der Teamneuling bei der Elite Lucas Fischer (19), STV Lenzburg, musste gleich zu Beginn am Barren einen Fehler wegstecken – ihm missling der Tippelt zum Hang. Ein Element, dass er schon x-fach perfekt geturnt hat. Die Situation auf dem Podium war für den jungen Turner eher zu hektisch. Er wusste, dass die Zeit knapp bemessen ist, seine Kollegen auch möglichst viel Zeit beanspruchen möchten. Dafür sind diese Trainings da, schon am zweiten Gerät dem Reck wirkte er deutlich weniger gestresst und zeigte eine hervorragende Übung mit einem gestreckten Jägersalto gleich zu Beginn. Einzig beim Abgang war etwas die Luft draussen. Mit diesem Podiumstraining kann Lucas Fischer auf alle Fälle Vertrauen tanken. Wenn ihm seine schwierigen Übungen (D-Werte 6,1 / 6,4) gelingen, ist ein Finalplatz realistisch.

Der fünffache Schweizer Meister Niki Böschenstein (25), STV Neuenhof, ist ein wettkampfstarker Turner, der am Tag X über sich hinauswachsen kann. Am Reck ging er selbstbewusst ans Gerät: Der Durchschub zur halben Drehung war etwas flach, aber ansonsten zeigte er eine gute Übung. An den Ringen überzeugte er vor allem bei den Schwungelementen, wenn er die Kraftteile im Wettkampf etwas länger hält, kann er auch hier zufrieden sein. Am Sprung entschied er sich, zwei Sprünge einzuturnen: neben dem Roche (Überschlag zum Doppelsalto vw.) zeigte er auch einen Kasamatsu gestreckt mit 1/1 Drehung. So lässt er sich die Chancen offen für einen möglichen Sprungfinal.

Claudio Capelli (23), BTV Bern, turnte am Barren seinen Möglichkeiten entsprechend sehr gut. Aufgrund seiner Schulterprobleme wird er wird im Vergleich zu den Weltmeisterschaften in London, wo er ausgezeichneter 15. an diesem Gerät wurde, seine Übung vereinfacht turnen. Auch die anderen Geräte gelangen ihm gut. Am Boden hatte er zu Beginn etwas Mühe, mit der fedrigen Unterlagen zu Recht zu kommen. Doch bis am Schluss zeigte er zwei sehr gute Doppeltwist. Wenn am Freitag alles klappt, ist ein Finalrang in Reichweite. Am Pferd zeigt Claudio Capelli seine neue schwierigere Übung.

Der elegante Turner Roman Gisi (24), TV Seltisberg, hat im Podiumstraining am Reck, Boden und Sprung überzeugt. Am Pferd musste er leider vom Gerät und an den Ringen kam er leicht ins Schaukeln. Roman Gisi ist ein Allrounder, ein Mehrkämpfer und ist daher ein wichtiger Pfeiler hinsichtlich des langfristigen Zieles Qualifikation der Mannschaft für die Olympischen Spiele 2012 in London. Diese EM ist eine Team-EM und soll für das Schweizer Team erneut einen Schritt nach vorne bringen. Es wird kein Mehrkampffinal bei den Senioren statt finden.

Teamkapitän Mark Ramseier (26), STV Teufenthal, freut sich, 1,5 Jahre nach seiner Knieoperation endlich wieder einen grossen Wettkampf turnen zu können. Beim Podiumstraining war er für ihn deshalb enorm wichtig, ein gutes Feeling zu finden. Was ihm gut gelang. An den Ringen turnte er das Kopfkreuz eher hoch, dafür gefiel insbesondere «die Spinne» (Deltchev – in der Schweiz auch Zellweger genannt), die sehr elegant wirkt. Mark Ramseier zeigte ein fehlerfreies Podiumstraining und ist top motiviert – wie das ganze Team –, am Freitag sein bestes zu geben.


Einsätze der Schweizer
Barren: Niki Böschenstein, Claudio Capelli, Lucas Fischer
Reck: Roman Gisi, Niki Böschenstein, Lucas Fischer
Boden: Mark Ramseier, Roman Gisi, Claudio Capelli
Pferd: Mark Ramseier, Roman Gisi, Claudio Capelli
Ringe: Mark Ramseier, Roman Gisi, Niki Böschenstein
Sprung: Roman Gisi, Niki Böschenstein, Claudio Capelli


Aus Birmingham: Renate Ried, Medienchefin STV

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